Glück im Unglück

Die ersten 3 Wochen meines Praktikums habe ich im Frühstücksservice am Buffet und „am“ Gast gearbeitet, ab der vierten Woche hieß es für mich Abendservice im Restaurant, also startete ich am Montag erst um 14:00 Uhr meine Schicht. Wir begannen alles vorzubereiten und das Restaurant für den Abend einzudecken. Es lief alles und wir lagen gut im Zeitplan. Kurz vor 19 Uhr wollte ich die letzten 2 Weingläser auf einen Tisch bringen, als das Unglück passierte. 

Ich hatte 2 Weingläser in meiner rechten Hand, blieb an einer Treppenstufe hängen und fiel hin. Dabei zersprangen beide Weingläser in meiner Hand und schnitten mir außen in meinen Arm. Innerhalb von 2 Sekunden war alles voller Blut, auch meine weiße Arbeitsuniform war nun rot gesprenkelt. Da niemand in der Nähe war, stand ich auf und rannte in die Küche, wo aber keiner bemerkte, dass ich stark blutete. Ich rief um Hilfe, da es sich so anfühlte, als würde ich gleich umkippen. Im nächsten Moment waren alle in der Küche um mich herum, brachten Verbandszeug und holten meine Chefs, die mich beruhigten. Währenddessen verarzteten die Köche meinen rechten Arm. Ich merkte, wie mir immer schwindliger wurde, und als die Köche endlich fertig waren, meinte mein Chef, dass ich sofort ins Krankenhaus müsste. Mir war immer noch sehr schwindelig, ich setze mich daher gegen eine Wand, aber ich verstand nichts, da meine Ohren vollkommen taub waren. Als ich wieder mich etwas gefangen und etwas Wasser getrunken hatte, konnte ich den Chef verstehen und erwiderte, dass mich bitte jemand ins Krankenhaus bringen solle, der Deutsch kann, sonst würde ich nichts verstehen. Das machte die Sache für meine Chefs deutlich schwerer, da wir nicht viele deutschsprachige Angestellten im Hotel haben.

Sofort wurde ich von einem Kollegen mit einem Club Car (Elektrowagen) im Höchsttempo zum Gate gefahren, eine Minute später kam der Sohn der Hotelbesitzerin mit dem Auto angefahren und wir machten uns auf den Weg ins Krankenhaus. Es dauerte etwa 15 Minuten bis zum Krankenhaus nach Agios Nikolaus, wo tatsächlich ein deutschsprachiger Arzt anwesend war, der mir allerdings gleich erklärte, dass man kein Röntgengerät besitzen würde. Ohne eine Aufnahme könne man aber nicht sicher sagen, ob noch Weiteres in der Wunde. Wir müssten daher in ein anderes Krankenhaus, rund 50 Min. Fahrzeit entfernt.

Nach der ganzen Fahrerei und meinen Schmerzen im Handgelenk waren der Sohn und ich ziemlich genervt, als wir endlich ankamen. Die Empfangsdame konnte nicht nachvollziehen, dass ein Mädchen aus Deutschland hier regulär arbeitet, dann einen Unfall hat, kein einziges Ausweispapier mit sich führt und darüber hinaus nicht mal die Sozialversicherungsnummer (AMKA) auswendig weiß.

Also schrieb ich der Dame meinen Namen, meinen Geburtstag und die Telefonnummer auf, dann wurden wir wieder nach hinten geschickt, wo man den provisorischen Verband der Köche entfernte. Die Wunde wurde gereinigt, desinfiziert und neu verbunden, dann wurden wir zum Röntgen geschickt. Dort erklärte uns ein Mann, dass wir erst mal warten müssen, bis er das Röntgengerät wieder repariert habe. Nach circa 25 Minuten rief er mich rein und meine Hand wurde geröngt. 2 Minuten später drückte er uns einen Umschlag in die Hand und schickte uns in die Notaufnahme zurück. Dort schaute sich die Krankenschwester sich den Bericht an, brachte mich in das Behandlungszimmer und erklärte mir mit gebrochenem Englisch, das sie den Bereich um die Wunde betäuben würde, um nachsehen zu können, ob sich noch weitere Glassplitter in der Wunde befinden. Dann erzählte sie mir, dass man Glas auf einem Röntgenbild aber nicht sehen kann. Sie entfernte den Verband, betäubte meinen Arm, drückte in der Wunde herum und entfernte noch einen Splitter. Danach nähte sie die Wunde zu. Nach zweieinhalb Stunden fuhren wir dann wieder in Richtung Hotel.

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